by Stefanie on 05/08/2013 | Cannabis Aktuelles

ADHS und Cannabis – ein Portrait

Am 20. Juni 2013 haben 150 Unterstützer, darunter die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM), das Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin (SCM), der Deutscher Hanf Verband (DHV) und Cannabis Colonia e.V., sowie Patienten unter dem Motto „"Menschenrechte von Cannabispatienten achten“ für eine Verbesserung der medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden in Deutschland demonstriert.


1044754_392537120855191_1382088241_nAm 20. Juni 2013 haben  150 Unterstützer, darunter die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (ACM), das Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin (SCM), der Deutscher Hanf Verband (DHV) und Cannabis Colonia e.V., sowie Patienten unter dem Motto „“Menschenrechte von Cannabispatienten achten“ für eine Verbesserung der medizinischen Verwendung von Cannabis und Cannabinoiden in Deutschland demonstriert.

Die Worte der Protestler  waren deutlich. „Wenn es um die medizinische Verwendung von Cannabis geht, werden die Menschenrechte von Bürgern der Bundesrepublik Deutschland vielfach mit Füßen getreten. Dieser Zustand einer Zweiklassenmedizin muss geändert werden“, fordert Gabriele Gebhardt, Sprecherin des SCM. Sensi Seeds hatte in einer Kurzmeldung darüber berichtet, dass der Deutsche Bundestag den Antrag zur Erleichterung des Zugangs zur medizinischen Verwendung von Cannabis ablehnte.

Beim Namen genannt

600179_265998370204801_429283256_nEiner der Demonstranten war Ralf Hermann, 39 Jahre und ADHS-Patient. Ralf leidet seit dem Kindesalter an der Krankheit. Hinzu kommen chronische Beschwerden an der Halswirbelsäule und Arthrose.  Seit Dezember 2010 ist es Ralf erlaubt, Cannabis aus der Apotheke zu beziehen. Nach unzähligen Besuchen bei Fachärzten und Psychologen darüber hinaus einem langen Kampf mit Behörden hat er im April 2012 auch durchsetzen können, unter dem Einfluss von Cannabis Auto fahren zu dürfen, denn der Führerschein ist für Ralf ein unentbehrliches Mittel, um seinen Beruf im Außendienst der IT-Branche ausführen zu können. Der Weg zum „Erfolg“ war lang und schwer: Verhaltenstherapie, Geld- und Haftstrafen, Cannabis Drogentherapie, Führerscheinentzug.

Was ist ADHS?

ADHD symbol design isolated on white backgroundBundesweit leiden zwei bis drei Prozent der Erwachsenen an Problemen mit Konzentration und Aufmerksamkeit. Ralf ist einer von ihnen. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung)  ist eine psychische Störung, die im Kindesalter beginnt.  Bei  40–80 % der diagnostizierten Kinder  besteht auch nach der Pubertät die Störung fort. Bei 35 – 50% der Betroffenen bleiben Symptome wie Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität und Hyperaktivität bis ins Erwachsenenalter bestehen. Die  Leidtragenden können nicht zur Ruhe kommen, Dinge oft nicht zu Ende bringen und sind ständig in Bewegung. Ihnen fehlt es an gezielter Handlungsplanung sowie dem Abwägen von Konsequenzen bestimmter Handlungen.  Sie neigen zu plötzlichen Gefühlsausbrüchen und massiven emotionalen Reaktionen.  Die Krankheit ist oft chronisch.

Chemischer Mix

767a8_111212014916-ritalin-adhd-medication-story-topRalfs Liste der ihm verschriebenen und erlaubten Arzneimittel ist lang. Die Schulmedizin hat 10 Jahre lang an ihm therapiert. So wurden zunächst Herointabletten und Ritalin rezeptiert. „Die Herointabletten hab ich nie angerührt, hab zu viel Leid gesehen mit  Abhängigen und das wollte ich nicht“‘, sagt er. Ritalin vertrug Ralf nicht. Dazu bemerkt er: „Ritalin machte mich so aggressiv, dass es nach 6 Wochen wieder abgesetzt werden musste.“

Zum Verständnis: Heroin ist ein halbsynthetisches, stark analgetisches Opioid mit einem sehr hohen Abhängigkeitspotential. Trotz sechsfach höherer schmerzstillender Wirksamkeit von Heroin im Vergleich zu Morphin ist die therapeutische Anwendung von Heroin in den meisten Ländern verboten. Ritalin ist ein häufig eingesetztes Methylphenidat für die medikamentöse Therapie von ADHS. Es gehört zu den Derivaten von Amphetamin.

Später kam das Präparat Dronabinol, ein teil-synthetisch produziertes Tetrahydrocannabinol, hinzu.

Ja zu Chemie und synthetischen Cocktails? Nein zur Pflanze Cannabis? Weil Ralf die einzige Substanz, die ihm seit je geholfen hat nicht auf Rezept beziehen durfte, besorgte er sich Cannabis zunächst auf illegalem Weg.

Dr. Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der ACM sollte Ralfs Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Der Arzt berichtete ihm, dass es die Möglichkeit gibt, bei der Bundesopiumstelle in Bonn eine Erlaubnis für medizinisches Cannabis anzufragen. Ein Arzt aus Heidelberg half dem Patienten mit der Beantragung und der Cannabistherapie.

Zurück zur Natur – Cannabis

Ralf gehörte neben einem weiteren ADHS-Patienten und einem am Tourette Syndrom leidenden Mann zu den Ersten, die eine Erlaubnis für medizinisches Cannabis aus der Apotheke bekamen. Sensi Seeds hatte im November 2012 ein Video zur kurativen Wirkung von Cannabis bei Tourette veröffentlicht. Aber  dieses durchaus positive Ereignis machte keinen Halt vor der nackten Realität, denn Selbsttherapie ist teuer. Apotheken verlangen für ihr Cannabis Flos den doppelten Preis verglichen zu dem vom Schwarzmarkt. Gestrecktes und verunreinigtes Cannabis aus illegalem Handel? Darauf hatte Ralf keine Lust mehr, auch dann nicht, wenn die Kosten so viel niedriger sind. Sensi Seeds hatte über die Methoden der Verunreinigung von Cannabis erst kürzlich informiert.

Vorteile des Eigenanbaus von Cannabis

1049142_392567037518866_1626925733_oIm Vergleich zum Eigenanbau ist das Cannabis auf Rezept sogar fünf Mal (!) so teuer.  Darum hat Ralf im vergangenen Jahr beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Genehmigung für den Eigenanbau beantragt. Sein Arzt verordnete ihm  zwischen 50 und max. 100 Gramm Cannabis pro Monat. Die Apotheke verlangt 15€ pro Gramm, da kommen im Monat Ausgaben zwischen 750 und 1.500€ zusammen. An Kostenübernahme der Krankenkasse ist nicht zu denken. Der Eigenanbau wiederum würde Ralf pro Gramm 3€ kosten.  Die Ablehnung für den Eigenanbau kam im Dezember 2012. Nun versucht die AMC mit ihren Fachanwälten, Ralf und einen an MS erkrankten Patienten, der bereits seit 13 Jahren kämpft,  im Klageverfahren zu unterstützen.  Der angesprochene MS-Patient hatte in Münster den Musterprozess zum Eigenanbau von Cannabis gewonnen, wie Sensi Seeds berichtete, darf aber immer noch nicht anbauen, da der Rechtsstaat in Berufung gegangen ist.

Warum Cannabis für ADHS?

Im Fall von Ralf sind durch ADHS verschiedene Leistungsfunktionen wie geteilte Aufmerksamkeit,  selektive Aufmerksamkeit, Daueraufmerksamkeit und Vigilanz gestört.

Ohne Cannabis ist er angespannt, unruhig und hektisch, sogar aufbrausend und rabiat. Mit Cannabis ist er ruhig und beherrscht. „Das einzige was mir in den 22 Jahren immer zuverlässig half war Cannabis. Damit finde ich eine innerliche Ruhe, bin nicht aggressiv, sondern freundlich und umgänglich. Ohne Cannabis bin ich ein Teufel  und die Schmerzen werden stärker.“ Worte eines Patienten, für dessen  Lebensqualität Cannabis unabdingbar ist.

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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