by Micha on 27/11/2015 | Anbau Legal & Politik

Die blühende Botschaft im Herzen Wiens

hemp embassy Blühende, potente Hanfpflanzen, sieht man in der Öffentlichkeit recht selten. Was vor nicht mal 80 Jahren fast überall noch normal war, ist heutzutage an den meisten Orten der Welt verboten. Bislang gab es mit den Hash Museen in Amsterdam und Barcelona, dem Amsterdamer Cannabis College, dem Hanfmuseum in Berlin sowie dem Museo Della Civilta Contadina in Bologna nur wenige Orte, die sich ausschließlich diesem historischen Fehler widmen oder sogar echte Pflanzen zeigen dürfen.


Wo Hanf endlich wieder Hanf sein darf

Blühende, potente Hanfpflanzen, sieht man in der Öffentlichkeit recht selten. Was vor nicht mal 80 Jahren fast überall noch normal war, ist heutzutage an den meisten Orten der Welt verboten. Bislang gab es mit den Hash Museen in Amsterdam und Barcelona, dem Amsterdamer Cannabis College, dem Hanfmuseum in Berlin sowie dem Museo Della Civilta Contadina in Bologna nur wenige Orte, die sich ausschließlich diesem historischen Fehler widmen oder sogar echte Pflanzen zeigen dürfen. Im Hash Marihuana & Hemp Museum und im Cannabis College können Besuchende neben zahlreichen Exponaten auch blühende, potente Hanfpflanzen bewundern, die anderen Häuser zeigen entweder Nutzhanf-Exponate oder müssen aufgrund der Gesetzeslage ganz auf lebenden Hanf verzichten.

Potente Hanfblüten sind nicht automatisch illegal

Die blühende Hanfbotschaft im Herzen WiensSeit kurzer Zeit ist auch Wien mit der Eröffnung der Hanfbotschaft Mitglied im exklusiven Club der „Städte mit einem Cannabis-Dokumentationszentrum.“ Die Hanfbotschaft befindet sich in der Esterhazygasse 34, unweit der belebtesten Einkaufmeile Wiens, der Mariahilferstraße im siebten Bezirk. Die Hanfbotschaft wirbt auf ihrer Webseite und auf Flyern mit einer „Öffentlichen Hanfblütenschau“, die zahlreiche Strains namhafter Breeder in voller Blüte zeigt. Viele meinen bis heute, in Österreich sei zwar der Anbau nicht blühender Hanfpflanzen legal, sobald die Pflanze jedoch Blüten ausbilde, sei sie illegal.

Aber eigentlich sind auch blühende Hanfpflanzen legal, solange die Blüten nicht der, wie es in Österreich so schön heißt, der „Suchtmittelgewinnung“ dienen. Das Gesetz aber erwähnt blühende und nicht blühende Pflanzen gar nicht explizit, sondern definiert lediglich, weshalb Cannabis nicht angebaut werden darf. Wer also blühende Pflanzen anbaut, um sie anderen zu zeigen, ohne die Blüten zu rauchen, zu verkaufen oder anderweitig zu verwerten, bewegt sich auf der Seite des Gesetzes. Auf eine Anfrage antwortete das Österreichische Innenministerium im Januar diesen Jahres:

„Die österreichische Rechtsprechung qualifiziert das Entstehen von Blüten- und Fruchtständen auf der Hanfpflanze noch nicht als Suchtmittelgewinnung. Erst das Ernten von nicht zur gewerblichen Nutzung zugelassenen Pflanzen mit ausgebildeten Blüten- und Fruchtständen, stellt Suchtmittelgewinnung im Sinne der Suchtmittelgesetzgebung dar.“

Das ließen sich die Aktivist/inn/en von „Verein Hanfmuseum“ nicht zweimal sagen und nahmen die Eröffnung der ersten Hanfbotschaft Österreichs in Angriff. Ziel des Vereins ist,

„der Öffentlichkeit näher zu bringen, dass Hanf nicht eine Substanz ist, sondern, ähnlich der Weinkultur, eine wahre Vielfalt an Farben, Formen und Aromen ausbildet. Es ist an der Zeit, die Unterscheidung in gute (wachsende) und böse (blühende) Hanfpflanzen zu beenden. Die Blüte ist die natürliche Entwicklung jeder Hanfpflanze und Basis für die Gewinnung von Samen, Medizin und Genussmittel. Selbstverständlich ist es unmöglich eine von der Natur geschaffene Pflanze zu verbieten. Hingegen ist es natürlich möglich, in einer aufgeklärten Gesellschaft einen vernünftigen Umgang mit der Hanfpflanze zu entwickeln und zu pflegen,“

wie der Verein auf seiner Homepage erklärt.

Acht Vitrinen mit blühendem Cannabis

Die blühende Hanfbotschaft im Herzen WiensAm 16. September 2015 war es dann soweit, die erste Hanfbotschaft Österreichs konnte bei der großen Eröffnungsparty mit hoch potenten Pflanzen in insgesamt acht Vitrinen aufwarten. Eine von ihnen ziert die legendäre Northern Lights von Sensi Seeds, die vor dem Tag der Eröffnung bereits fünf Wochen lang Blüten ausbilden konnte. Die sieben schönsten Exemplare der Hanfdamen wie die Northern Lights stehen als Single unter je einer 600 Watt Lampe auf einen knappen Quadratmeter Grundfläche und haben so genug Platz, große und kräftige Blütenstände auszubilden. Vor dem Schaukasten finden sich ausführliche Informationen über THC- sowie CBD-Gehalt, Dauer der Blütephase und die genetische Herkunft des Strains sowie die Seedbank. Vor der Glasvitrine lädt eine Schnur die Besuchenden zum daran Ziehen ein, so dass man einen ordentlichen Schub vom spezifischen Aroma der jeweiligen Pflanze abbekommt. Beim Griff an die Kordel vor der Northern-Lights-Vitrine strömt ein narkotischer Honig-Moschus-Geruch mit leichter Wacholdernote durch die kleinen Luftlöcher der Scheibe aus Sicherheitsglas. Vom freundlichen Botschafts-Guide erfahren interessierte Besucher, dass die kristalline Dame eigentlich schon überfällig ist und sobald als möglich geerntet werden soll.

Alles verläuft rechtmäßig

Doch das geht anders vonstatten als bei auch in Österreich illegalen Pflanzen, die der Blütenproduktion dienen. Zur Ernte ist ein Notar anwesend, der den gesamten Vorgang überwacht. Anschließend werden die Pflanzen zur Müllverbrennungsanlage transportiert und vernichtet. Der Notar ist während der Ernte, des Transports und der Vernichtung vor Ort, dokumentiert und beglaubigt den Vorgang. Damit ist die gesetzliche Vorgabe, die Blüten nicht zur „Drogenproduktion“ zu missbrauchen, erfüllt. Die Staatsanwaltschaft hat bislang nicht eingegriffen, laut lokalen Medienberichten vom September prüfe sie das Projekt auf seine Rechtmäßigkeit. Um es so transparent so möglich zu gestalten, wird auch der Blüteprozess mit Kameras überwacht und online gestellt. Der Vorwurf, das Gras lande im privaten Joint oder gar auf dem Schwarzmarkt, darf gar nicht erst aufkommen, um die Seriosität des Projekts nicht zu gefährden. Auch deshalb herrscht in den Räumlichkeiten absolutes Rauchverbot, denn das öffentliche Rauchen von Hanf ist genau der Aspekt, der in einem Umfeld aus falschen Informationen, Verbot und Angst Vorurteile erst entstehen lässt, worunter das gesamte Potential der verbotenen Pflanze leidet. Vorurteile aber haben in der Wiener Esterhazygasse keinen Platz, wenn die vom Verein angestrebte Normalisierung irgendwann Realität werden soll. Im Vordergrund steht die Ganzheitlichkeit der Pflanze, nicht die Growtechnik, das Equipment oder die Verwendung als entspannende Substanz.

Medizinische Cannabis-Verwendung

Die blühende Hanfbotschaft im Herzen WiensSehr wohl im Vordergrund steht allerdings die medizinische Verwendung, besonders die eigene Züchtung ist ein echter Grund für das Team, ein wenig stolz auf sich selbst zu sein. Ihr „Medical Strain“ verfügt über 9% CBD und eben so viel THC und wäre somit ein für medizinische Zwecke perfekt geeignetes Gras- wenn es nicht vernichtet würden müsste. Neben vielen Informationen über Cannabis als Medizin bekommt man vom netten Team auch reichlich Informationen und Materialien zu Hanfkultur in Österreich, Entkriminalisierungs- sowie Legalisierungskampagnen und Veranstaltungen geboten. Ein kleiner Museumsshop mit ebenso legalen Hanfköstlichkeiten, Büchern und Accessoires rundet das Angebot der Wiener Hemp Embassy ab.

Die Hanfbotschaft empfängt montags bis samstags von 12 bis 20 Uhr internationale Gäste aus aller Welt. Ein Besuch lohnt sich und ist obendrauf noch gratis.

Hemp Embassy Vienna-Hanfmuseum Wien

Esterhazygasse 34

AT-1060 Wien

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 12:00 bis 20:00 Uhr

U-Bhf.: U3 Zieglergasse

Eintritt frei

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.