by Seshata on 30/04/2013 | Anbau

Ist es besser, biologischen Cannabis zu verwenden?

Viele Jahre lang gab es hitzige Debatten zwischen den Anhängern des herkömmlichen und denen des biologischen Anbaus von Cannabis.


Viele Jahre lang gab es hitzige Debatten zwischen den Anhängern des herkömmlichen und denen des biologischen Anbaus, wobei das Lager der Befürworter chemischer Dünger fest davon überzeugt war, dass ihre Methode höhere und schnellere Erträge liefern und dem Züchter potenziell weniger Probleme bescheren würde. Die Befürworter der biologischen Methode behaupteten dagegen, ihre Produkte seien sicherer, schmackhafter und letztlich gesünder für den Endverbraucher.

Was ist biologischer Cannabis?

BioBizz ist ein bekannter Nährstoff der biologischen Produktpalette
BioBizz ist ein bekannter Nährstoff der biologischen Produktpalette

Viele glauben immer noch, dass in Erde gezüchteter Cannabis grundsätzlich biologisch angebaut sei, aber ein Großteil des in Erde angebauten Cannabis wird mit chemischen Düngern und Pestiziden behandelt. Tatsächlich müssen beim biologischen Anbau alle Nährstoffe und Pestizide natürlichen Ursprungs sein. Radikale Ökologen würden allerdings einwenden, dass hierbei überhaupt keine Pestizide oder Nährstoffe verwendet werden dürfen.

Was Nährstoffe betrifft: Zu den „natürlichen“ Produkten, die Wachstum und Blüte der Cannabispflanzen unterstützen, gehören Fledermaus- und Vogelkot, Wurmspuren, Mist, Blut- und Knochenmehl sowie Kompost. Unter natürlichen Pestiziden versteht man pflanzliche Produkte wie zum Beispiel Pyrethrum, Capsaicin, Tabak und Niembaumöl. Zwar sind diese Substanzen biologischen Ursprungs,  aber es ist noch nicht eindeutig geklärt, wie sie sich auf die Gesundheit des Menschen auswirken.

Da die medizinische Cannabisindustrie in den letzten Jahren große Zuwächse verzeichnet hat, ist auch die Nachfrage nach hochwertigem, sicherem Cannabis gestiegen. Infolgedessen verlangen nun zahlreiche Kunden biologischen Cannabis von ihren Lieferanten und zeigen sich immer öfter besorgt über die mögliche Anwesenheit von gefährlichen chemischen Stoffen in „regulärem“, also nicht-biologischem Cannabis.

Streit über Pestizide in Maine

Im März dieses Jahres fand man heraus, dass die größte Apotheke für medizinischen Cannabis in Maine Produkte verkaufte, in denen bei Tests neun Pestizide entdeckt wurden. Daraufhin musste die Apotheke Wellness Connection den staatlichen Behörden versprechen, keine Pestizide mehr zu verwenden. Außerdem muss die Apotheke der Lizenz- und Regulierungsbehörde nun zwei Jahre lang wöchentlich einen Bericht über die aktuelle Lage vorlegen.

Beunruhigte Patienten haben en masse ihre Empörung über diese alarmierende Missachtung der Gesundheit der Patienten geäußert, und viele haben seither nach anderen Apotheken gesucht, um gegen das fahrlässige Verhalten der Apotheke zu protestieren. Darüber hinaus stellen die Patienten nun die Sicherheit ihrer Medizin zunehmend in Frage und fordern biologisch angebauten Cannabis, nicht nur von Wellness Connection, sondern auch von anderen Apotheken.

Im Staat Maine ist der Gebrauch von Pestiziden in Cannabis grundsätzlich verboten, da deren Auswirkungen auf die Gesundheit der Patienten noch nicht geklärt sind. Allerdings wird die Gesundheit des durchschnittlichen medizinischen Cannabis-Patienten nicht in allen achtzehn Staaten mit einem medizinischen Cannabisprogramm so gewissenhaft überwacht.

Der Tod einer kalifornischen Aktivistin wird einem Spinnmilben-Pestizid zugeschrieben

Im Oktober 2005 ist in Kalifornien „Sister“ Jane Weirick gestorben, eine Aktivistin und Einkäuferin für den The San Francisco Cannabis Buyers Club (= Cannabiskäufer-Club von San Fransisco). Ihr Tod wurde teilweise dem langfristigen Kontakt mit dem Pestizid Avid zugeschrieben, denn mehrere der Züchter, die den Club beliefern, hatten dieses Pestizid zur Bekämpfung der Spinnmilben verwendet.

Sister Mary Weirick, eine Cannabisaktivistin, deren Tod dem Pestizid Avid zugeschrieben wurde
Sister Mary Weirick, eine Cannabisaktivistin, deren Tod dem Pestizid Avid zugeschrieben wurde

Das Trimm- und Verpackungsteam, das Weirick leitete, hatte mehrere Jahre lang engen Kontakt mit Cannabis, und daher nahm man an, dass die rapide, mysteriöse Verschlechterung ihrer Gesundheit durch das in ihre Haut eingedrungene Pestizid verursacht wurde. Dieser anhaltende Kontakt führte letztlich zu allergieähnlichen Symptomen und zu Kopfschmerzen, und als Weirick schließlich im Dezember 2004 ins Krankenhaus eingeliefert wurde, war sie nicht mehr in der Lage zu gehen.

Nachdem sie einen Monat im Krankenhaus gelegen hatte, wurde Weiricks rechte Seite gelähmt, und sie konnte sich nicht mehr bewegen oder sprechen. Später erholte sie sich wieder so weit, dass sie aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte. Dennoch litt sie weiterhin unter großen Schmerzen und nahm zu deren Linderung sehr hohe Dosen Morphium ein. Diese galten offiziell als Todesursache, als sie einige Monate später verstarb.

Die fehlende Reglementierung führt zu kontaminierten Produkten

Obwohl der Fall der Sister Mary Weirick ausführlich in den Medien diskutiert wurde, hat Kalifornien bis heute keine Richtlinien zur Festsetzung der in Cannabis enthaltenen Pestizide eingeführt. Das hat dazu geführt, dass skrupellose Züchter Cannabis erzeugen, dessen Gehalt an Schimmelpilzen und Pestiziden in manchen Fällen die in Speisen wie zum Beispiel Spinat zugelassene Menge um das Sechzigfache überschreitet.

2011 hat Dan Tomalski von den Northern Laboratory Services (= Nördliche Labordienste) in Michigan Testergebnisse veröffentlicht, die aus einer Reihe von lokalen Proben gewonnen wurden, und zwar sowohl von zugelassenen Pflegediensten als auch von Straßendealern. Hierdurch wurde nachgewiesen, dass mehrere Proben potenziell gefährliche Rückstände von drei Pyrethrinen enthielten, nämlich von Permethrin, Cypermethrin und Beta-Cyfluthrin.

Die Gefahren der Pyrethrine

Permethrin, ein starkes synthetisches Pyrethrin-Pestizid, schadet nachweislich der menschlichen Gesundheit
Permethrin, ein starkes synthetisches Pyrethrin-Pestizid, schadet nachweislich der menschlichen Gesundheit

Synthetische, aus der Pyrethrum-Pflanze gewonnene Pyrethrine können die Nervenfunktionen ändern und potenziell zu Neurotoxizität (Schädigung des Nervensystems) führen; sie rufen möglicherweise schwerwiegende asthmaähnliche Symptome hervor und können bei langfristigem Kontakt sogar Krebs erregen. Doch Pyrethrine sind nicht nur bei langfristigem Einatmen gefährlich, sondern sie können auch umgehend Irritationen hervorrufen. Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass Pyrethrine für Honigbienen hochgiftig sein können, und daher wird ihnen eine Mitverantwortung am Problem des Zusammenbruchs von Bienenkolonien zugeschrieben. Dessenungeachtet werden Pyrethrine noch häufig als biologische Pestizide betrachtet, da sie aus der Pyrethrum-Pflanze gewonnen werden.

Bei den oben genannten Tests stammten alle Proben, die Pestizidrückstände enthielten, aus illegalen Straßendeals, während sich zugleich herausstellte, dass viele der Proben von zugelassenen Pflegediensten 100 % pestizidfrei waren. Michigan handhabt nun ein ausschließlich auf Pflegediensten beruhendes System, wobei private Züchter mit kleinen Anbauflächen für die Lieferung der Vorräte von maximal fünf Patienten verantwortlich sind.

Die Gesundheit des Patienten wird beim kleinflächigen Anbau am besten berücksichtigt

Maine verfügt jedoch über große Apotheken, die jeweils Tausende von Patienten bedienen, und sieht sich deshalb beim Versuch, die zugelassenen Anbaumethoden innerhalb legaler Grenzen zu halten, einer weit größeren Herausforderung gegenüber. Pflegedienste haben oft ein starkes, dauerhaftes moralisches Verantwortungsgefühl für die Gesundheit ihrer wenigen Patienten, während große Apotheken häufig unpersönlicher sind und dazu neigen, den Profit über das Wohl des Patienten zu stellen.

Solange keine sicheren Grenzwerte für Pestizide in medizinischem Cannabis festgelegt werden können, sollten sich die Patienten nicht scheuen, lautstark sauberen, nicht kontaminierten Cannabis zu fordern. Denn die langfristigen Auswirkungen der Pyrethrine und anderer Pestizide wurden noch längst nicht vollständig erforscht – ob für sich allein oder als Synergieeffekt mit den natürlichen Bestandteilen, die in der Pflanze selbst gefunden wurden.

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