Amsterdam Cannabis College: Cannabis-Bildung für die Öffentlichkeit

In den 90er-Jahren aus dem Nichts entstanden, ist Amsterdams Cannabis College heute ein fester Bestandteil der ikonischen Cannabis-Kultur der Stadt. Es hat politische, wirtschaftliche und äußere Rückschläge überstanden und bietet noch immer Cannabis-Bildung für alle Interessierten.

1998 machte ein schmuckes Grachtenhaus im mittelalterlichen De Wallen-Viertel Amsterdams Schlagzeilen: Es wurde zur Heimat des weltweit ersten Cannabis Colleges. Locals, Touristen, Neugierige: Alle waren willkommen, um mehr über Cannabis-Botanik, Geschichte und therapeutische Anwendungen zu erfahren. Jahrelang wurden Kurse angeboten.

Seit 2024 ist das College nur noch online aktiv, doch sein offener Umgang mit Cannabis-Bildung hat es in den Herzen seiner Besucher verankert. Der Weg war nicht immer einfach: Finanzierungsprobleme, eine verweigerte Verkaufserlaubnis und dann – einige Jahre nach der Eröffnung – ein verheerender Brand.

Das Amsterdam Cannabis College hat einiges durchgestanden. Und es bleibt ein Zufluchtsort für Cannabis-Aktivismus und Bildung. Mehr über seine Geschichte und Aktivitäten gibt es hier.

Über das Cannabis College

Gründungsjahr: 1997

Gründer: Henk Poncin und Mitglieder der Aktivistengruppe Green Prisoners Release

Adresse: Oudezijds Achterburgwal 124, 1012 DT Amsterdam, Niederlande

Website: https://cannabiscollege.com/

Facebook: https://www.facebook.com/SativaCollege/

Instagram: https://www.instagram.com/thecannabiscollege/

Das Cannabis College wurde von Henk Poncin gegründet, dem Kopf hinter der Aktivistengruppe Green Prisoners Release. 1994 setzte er sich für Les und Cheryl Mooring ein – ein amerikanisches Ehepaar, das in den Niederlanden Zuflucht gesucht hatte, um einer unverhältnismäßig harten Strafe in den USA zu entgehen. Der Vorwurf: der Anbau von medizinischem Cannabis im heimischen Arkansas.

Nachdem Henk den Fall der Moorings in nationale und internationale Medien gebracht und damit ihre Strafen erheblich gemildert hatte, war ihm klar, wozu er berufen war. „Ehrlich gesagt bin ich sehr froh, dass diese Geschichte Teil meines Lebens wurde“, erzählte er Sensi Seeds in einem Interview. „Ich bin stolz, daran beteiligt gewesen zu sein! Gerade jetzt, wo sich die Dinge weltweit zum Besseren wenden.“

Henk erkannte schnell, dass nur die Verbreitung verlässlicher Informationen die Cannabis-Prohibition beenden konnte. Aus dieser Überzeugung heraus entstand das Cannabis College.

Aller Anfang war schwer

Eigentlich sollte das Cannabis College bereits 1997 eröffnen, doch wie so viele Cannabis-Institutionen stieß es von Anfang an auf politischen Widerstand. Die Amsterdamer Stadtverwaltung verweigerte die Verkaufserlaubnis, und nachdem die Renovierungskosten das Budget weitgehend aufgebraucht hatten, stand das College ohne nennenswerte Einnahmequellen da.

Die Rettung kam in Form von Eddy Reedeker, einem Zeitgenossen von Ben Dronkers und einem der bekanntesten Cannabis-Züchter der Niederlande. Über seine Samenbank The Flying Dutchman sponserte er das College aus einem einfachen Grund: „Ich habe 35 Jahre lang mit dieser Pflanze mein Geld verdient; das ist etwas, das ich zurückgeben muss“, so Reedeker.

Dank Eddys Unterstützung konnte das Cannabis College seine Türen öffnen, mit den Kursen beginnen und sich finanziell tragen. Dann, 2002, der nächste Rückschlag: Ein Brand vernichtete Bibliothek und Informationszentrum. Doch das College überstand den Schaden und eröffnete mit einer renovierten Bibliothek, einem brandneuen Cannabis-Garten, Merchandise und einer eigenen Website neu. (Letzteres war Anfang der Nullerjahre noch eine echte Ansage.)

2009 zog sich Eddy Reedeker zurück. Die Schirmherrschaft über das weltweit erste Cannabis College übernahm jemand Besonderes: Ben Dronkers, Gründer von Sensi Seeds. Als enger Freund Eddys und überzeugter Philanthrop nutzte Ben die Gelegenheit, der Cannabis-Community etwas zurückzugeben.

Bildung als Aktivismus

Aus dem sozialen und politischen Engagement von Green Prisoners Release geboren, hat das Cannabis College stets ein einfaches Manifest verfolgt: Bildung ist Aktivismus. Von den Gründern und Förderern bis zu den Mitarbeitenden hinter dem Tresen war allen klar: Echte Legalisierung braucht echte Aufklärung, keine Propaganda.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, veranstaltete das Cannabis College Schulungen, medizinische Vorträge für Fachleute im Gesundheitswesen, Strain-Release-Partys, Dichterlesungen, Filmpremieren und sogar Universitätsvorlesungen. Mit verlässlichen Informationen hat das College den niederländischen und internationalen Cannabis-Aktivismus und die Politikreform seit seiner Gründung aktiv unterstützt.

Frühere Aktivitäten

Bevor das Cannabis College 2024 seinen physischen Standort aufgab und online weitermachte, umfasste sein Angebot unter anderem:

  • Freier Eintritt und Bibliotheksbesuch

Der Eintritt war immer 100 % kostenlos. Die Bibliothek hielt eine handverlesene Auswahl an Literatur und digitalen Medien zu Cannabis bereit – auf Niederländisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Japanisch, Hebräisch, Polnisch, Russisch und Norwegisch.

  • Cannabis-Gartenbesuch

Gegen eine Spende konnten Besucher den Cannabis-Garten des Colleges besuchen und die Pflanzen fotografieren.

  • Tageskurse und längere Kurse

Nach vorheriger Buchung standen verschiedene Kurse mit unterschiedlicher Dauer zur Wahl: Konsummethoden, Cannabinoid-Wissenschaft, medizinische Anwendung, Kultur und Geschichte. Für Cannabis-Betriebe wie Coffeeshops bot das College außerdem Mitarbeiterschulungen an.

  • Cannabis-Testing

Das Amsterdam Cannabis College war einer der wenigen Orte weltweit, die öffentliches Cannabis-Testing anboten. Gegen eine kleine Gebühr wurden Proben auf sechs wichtige Cannabinoide untersucht: THC, THCV, CBD, CBN, CBC und CBG. Gängige Verunreinigungen konnten ebenfalls ermittelt werden. Für einen etwas höheren Betrag gab es zusätzlich eine vollständige mikroskopische Analyse der mitgebrachten Probe.

  • Veranstaltungen

Vorträge, Filmvorführungen, Strain-Partys und vieles mehr: Das Cannabis College war stets ein Treffpunkt für Menschen mit einer gemeinsamen Leidenschaft für Cannabis.

Das ikonische Gebäude ist heute nicht mehr zugänglich, aber Amsterdams Cannabis College bleibt, was es immer war: ein Symbol der niederländischen Cannabis-Kultur und eine Erinnerung daran, dass Legalisierung ohne Aufklärung nicht funktioniert.

Wer in Amsterdam ist, kann trotzdem am alten Standort vorbeischlendern. Gleich um die Ecke liegt der Sensi Seeds Cornershop, über die Gracht die ursprüngliche Sensi Seed Bank. Und wer noch mehr möchte, besucht das Hash Marihuana & Hemp Museum von Ben Dronkers. Hier dreht sich alles um die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der ältesten Kulturpflanze der Menschheit.

Waren Sie selbst einmal in Amsterdam und haben das Cannabis College besucht? Erzählen Sie es uns in den Kommentaren!

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    Sensi Seeds

    Das Sensi Seeds Redaktionsteam besteht aus Botanikern, medizinischen und juristischen Experten sowie renommierten Aktivisten wie Dr. Lester Grinspoon, Micha Knodt, Robert Connell Clarke, Maurice Veldman, Sebastian Marincolo, James Burton und Seshata.
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