by Seshata on 25/01/2017 | Legal & Politik

Die globale Cannabisbranche im Jahr 2017

Cannabisbranche 2017 Die internationale Bewegung zur Cannabislegalisierung und -regulierung hat in den letzten Jahren so erstaunliche Erfolge erzielt, dass das Thema nun in der Öffentlichkeit geläufig ist und in vielen Staaten politisch immer bedeutsamer wird. Wie wird es der Cannabisbranche 2017 ergehen, nach den Erfolgen des letzten Jahres?


Noch vor zehn Jahren wäre die Vorstellung, man könne in einer vergleichsweise kurzen Zeit derart rasche Fortschritte erzielen, absurd gewesen. Aber heute scheint der Gedanke einer vollständigen, weltweiten Cannabis-Legalisierung kein utopischer Wunschtraum mehr zu sein, sondern eine Realität, die sich jetzt bereits abzeichnet.

Mehrere US-Bundesstaaten gehen 2017 in Richtung Legalisierung

In nicht weniger als acht US-Bundesstaaten könnte Cannabis dieses Jahr vollständig legalisiert werden, sowohl für medizinische Zwecke als auch für den Freizeitkonsum: Delaware, Texas, Rhode Island, New Jersey, New Mexico, Kentucky, Missouri und Vermont.

 

Und weitere Bundesstaaten haben sich bereits zuvor für die Legalisierung von Cannabis für den Freizeitkonsum entschieden, u.a.:

  • Colorado und Washington (2012),
  • Oregon, Alaska und Washington D.C. (2014),
  • Kalifornien, Maine, Massachusetts und Nevada (2016).

 

2017 könnten acht weitere US-Bundesstaaten Cannabis legalisieren (© Lokal_Profil)
2017 könnten acht weitere US-Bundesstaaten Cannabis legalisieren (© Lokal_Profil)

In einigen Bundesstaaten, wie z.B. in Colorado, ist die Legalisierung schon vor mehreren Jahren durchgeführt worden, und Berichten zufolge scheinen die Vorteile (wie steigende Staatseinnahmen und ein Rückgang der durch Alkohol bedingten Autounfälle) die beobachteten Nachteile wettzumachen. Daher wächst die Zahl der Bundesstaaten, die der Idee einer vollständigen Legalisierung aufgeschlossen gegenüberstehen.

 

Überall in den Vereinigten Staaten macht das öffentliche Image von Cannabis offenbar einen Prozess der Normalisierung und „Entpolarisierung“ durch. 2016 wurde ein wichtiger Wendepunkt erreicht, als medizinisches Cannabis in fünfundzwanzig der fünfzig Bundesstaatenlegalisiert wurde.

Kanada treibt die Entwicklung durch ein Bundesgesetz voran

Die Bundesregierung Kanadas plant, im Frühjahr 2017 ein Gesetz zu verabschieden, und der Haushaltsausschuss des Parlaments hat vorausgesagt, dass der Verkauf von Cannabis für den Freizeitkonsum ab Januar 2018 beginnen könnte.

 

Doch verschiedene prominente Vertreter der Cannabisbranche, darunter Guillermo Delmonte, CEO der „International Cannabis Corporation“, haben bereits erklärt, dass der Prozess der Planung und Umsetzung des neuen Gesetzes erheblich länger als ein Jahr dauern könnte. Im November 2016 war Delmontes Firma das erste internationale Cannabisunternehmen, das an einer kanadischen Börse notiert wurde.

 

Kanadas Bundesregierung hat die Einführung neuer Cannabisgesetze versprochen (© GoToVan)
Kanadas Bundesregierung hat die Einführung neuer Cannabisgesetze versprochen (© GoToVan)

Zwar scheint die Legalisierung nun vor der Tür zu stehen, doch Verkauf und Besitz von Cannabis sind in Kanada weiterhin illegal, außer für medizinische Zwecke. Derzeit haben lediglich wenige Großerzeuger, die eine Lizenz der kanadischen Gesundheitsbehörde im Rahmen des Programms für medizinisches Cannabis besitzen, die Genehmigung, Patienten mit Cannabis zu versorgen.

 

In den letzten Monaten fanden zudem weitere Razzien gegen Cannabisapotheken statt, die sich nicht an die strengen Vorschriften hielten. Die Apothekeninhaber sind daher besorgt, dass sie nach wie vor harte Strafen für einen Cannabisverkauf befürchten müssen, den sie als legitimes Engagement im Dienste der Patienten ansehen.

2017 nähern sich Deutschland und Italien der Legalisierung

In Deutschland findet seit mehreren Jahren eine immer intensiver werdende politische Debatte über die Legalisierung von Cannabis statt. 2017 wird Deutschland medizinisches Cannabis wahrscheinlich vollständig legalisieren, und zumindest eines der deutschen Bundesländer – Berlin – wird vermutlich ein „wissenschaftlich überwachtes Pilotprojekt für die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene” für den Freizeitkonsum einführen. Allerdings wird die vollständige Legalisierung auf Bundesebene wohl noch einige Jahre auf sich warten lassen.

 

Italien ist in naher Zukunft zur Legalisierung bereit (© Patafisik)
Italien ist in naher Zukunft zur Legalisierung bereit (© Patafisik)

In Italien ist 2016 ein parteiübergreifender Gesetzentwurf zur Legalisierung von Cannabis an den Parlamentsausschuss zurückverwiesen worden, nachdem eine rechtsgerichtete Parlamentsfraktion über 1.300 Einwände gegen die Verabschiedung des Entwurfs vorgebracht hatte. Die Initiatoren dieses Entwurfs wollen ihn 2017 nochmals einreichen, doch aufgrund der anhaltenden politischen Instabilität muss sich der Gesetzgeber wahrscheinlich mit anderen Aufgaben befassen.

 

Sollte der Gesetzentwurf jedoch verabschiedet werden, könnten die italienischen Bürger bis zu fünf Cannabispflanzen für den persönlichen Bedarf anbauen und bis zu fünfzehn Gramm Cannabis zu Hause oder bis zu fünf Gramm in der Öffentlichkeit besitzen. Außerdem würde das Gesetz Cannabis-Clubs mit bis zu fünfzig Mitgliedern erlauben. Kürzlich durchgeführte Umfragen legen nahe, dass mehr als 70 % der italienischen Bürger für ein Regulierungsmodell sind, ähnlich dem in Colorado, aber die noch stets einflussreiche katholische Kirche lehnt dieses Modell weiterhin entschieden ab.

Zunehmende Forderungen nach einer EU-weiten Cannabisgesetzgebung

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Befürworter von medizinischem Cannabis weltweit drastisch gestiegen, sowohl unter Politikern als auch in der Öffentlichkeit. Diese Bewegung ging mit Aufrufen an die supranationalen Organisationen der Welt einher, tätig zu werden und in ihren rechtlichen Zuständigkeitsbereichen endlich fortschrittliche, faire Gesetze einzuführen.

 

2014 versuchte eine europäische Bürgerinitiative außerdem, eine Petition für die Legalisierung von Cannabis in der ganzen EU einzureichen. Diese spezielle Initiative scheiterte, weil sie zu wenig Unterschriften erhielt. Allerdings ist es auch äußerst unwahrscheinlich, dass die Vorgehensweise von Bürgerinitiativen zu einem Erfolg führt. Eine alternative Methode, Cannabis die EU-weite Anerkennung zu verschaffen, dürfte viel erfolgversprechender sein.

 

Indessen ist anscheinend schon ein neuer Versuch gestartet worden. Im November 2016 veranstaltete die linke Parlamentsfraktion European United Left/Nordic Green Left (GUE-NGL = Europäische Vereinigte Linke-Nordische Grüne Linke) im Europäischen Parlament in Brüssel die erste internationale Konferenz der Welt über medizinisches Cannabis.

 

Auf dieser Konferenz sprachen prominente Forscher, unter anderem Manuel Guzman und Carola Perez vom Observatorio Español de Cannabis Medicinal (OECM = spanische Beobachtungsstelle für medizinisches Cannabis). Ermutigende Schlussbemerkungen kamen von Stefan Eck, einem deutschen Mitglied des Europäischen Parlaments (laut Bericht in Leafly):

 

„Meiner Meinung nach wird es jetzt Zeit, auch in der EU Cannabis für medizinische Zwecke zu legalisieren. Ich glaube, dass wir wenigstens eine europaweite Legalisierung von Cannabis für medizinische Zwecke einführen sollten, und zwar so bald wie möglich. Das ist das Mindeste. Und wir sollten immer daran denken, dass das Cannabisverbot völlig unlogisch ist, solange andere Substanzen wie Nikotin und Alkohol legal sind.“

Könnte Cannabis im Jahr 2017 weltweit neu klassifiziert werden?

Viele Jahre lang ist Cannabis aufgrund internationaler Verträge, insbesondere des UN-Einheitsabkommens über die Betäubungsmittel von 1961, auf der ganzen Welt illegal geblieben. Dieses Abkommen klassifiziert Cannabis als Droge im Sinne der Anlagen I und IV, nach denen es keinen medizinischen Nutzen und ein hohes Missbrauchsrisiko hat.

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist aber in der Lage, Cannabis neu zu bewerten und zu klassifizieren, sobald neue Forschungsergebnisse vorliegen. Sie hat die Durchführung einer solchen erneuten Prüfung jedoch aus unerfindlichen Gründen viele Jahre aufgeschoben, aber das könnte sich jetzt ändern.

 

Im Dezember 2016 hat die Suchtstoffkommission in Wien eine Anhörung zu den Ergebnissen eines Berichts durchgeführt, die vom 38. Expertenausschuss der WHO für Drogenabhängigkeit (Expert Committee on Drug Dependance = ECDD) zusammengetragen wurden. Der Ausschuss hat Folgendes anerkannt:

  • Eine Zunahme der Anwendungen von Cannabis und seiner Bestandteile für medizinische Zwecke,
  • Die Entwicklung neuer Cannabis-gestützter Arzneimittel für therapeutische Zwecke,
  • Cannabis war nie Gegenstand einer formalen Vorprüfung oder einer kritischen Überprüfung durch den ECDD.

 

Darüber hinaus erklärte der ECDD, er wolle Vorprüfungen von Cannabis und Cannabinoidpräparaten durchführen, die innerhalb der nächsten achtzehn Monate bei einer Sonderkonferenz des ECDD ausgewertet werden sollen. Auch wenn dies keine definitive Garantie für die weltweite Legalisierung ist und wohl nicht vor 2018 abgeschlossen sein wird, ist es dennoch als ein gewaltiger Fortschritt anzusehen.

Inzwischen kommt die Cannabinoidforschung in Riesenschritten voran

Extreme und für politische Ziele benutzte Argumente für und gegen Cannabis werden immer öfter durch wissenschaftliche Beweise und die wirtschaftliche Realität in Frage gestellt. So wird es heute zunehmend schwieriger für rechtsgerichtete Politiker, Cannabis aus ideologischen Gründen zu unterdrücken, aber auch die Cannabis-Aktivisten haben es schwerer, angebliche Sensationen zu verkünden, die nicht glaubhaft durch Studien belegt werden.

 

In einigen Staaten wie beispielsweise in Israel, der Heimat des großen Cannabinoidforschers Raphael Mechoulam, hat die Cannabisforschung über mehrere Jahrzehnte hinweg ständig bedeutende Fortschritte verbucht. Heute ist Israel in der Cannabinoidforschung weltweit führend, und zurzeit laufen hier mehrere klinische Studien über medizinische Anwendungsmöglichkeiten von Cannabis. Auch Spanien hat als weltweites Zentrum für den Erkenntnisgewinn über Cannabinoide auf sich aufmerksam gemacht, mit Organisationen wie der OECM (Spanische Beobachtungsstelle für medizinisches Cannabis), die bedeutende Beiträge zum Wissenspool liefert.

 

Raphael Mechoulam und andere Forscher haben unzählige wichtige Beiträge geleistet (© Tzahy)
Raphael Mechoulam und andere Forscher haben unzählige wichtige Beiträge geleistet (© Tzahy)

In den USA ist die Erfolgsgeschichte der Cannabisforschung schwer zu überblicken, da die Forschung lange Zeit durch strenge Restriktionen behindert wurde. Aber 2017 werden mehrere wichtige Studien stattfinden, unter anderem die umfassend veröffentlichte klinische Studie MAPS über Cannabis zur Behandlung von PTBS bei Kriegsveteranen.

 

Außerdem werden die Forschungen in den USA wahrscheinlich durch die Ankündigungen der DEA vom August 2016 unterstützt. Es ist dieser Behörde, die als notorischer Gegner von Cannabis bekannt ist, jedoch nicht gelungen, Cannabis wieder unter das Betäubungsmittelgesetz einzuordnen. Sie gab vielmehr eine Erweiterung der Zahl der Hersteller bekannt, die eine Lizenz für die Belieferung der Forscher mit Cannabis für Studienzwecke erhalten.

Wie steht es 2017 mit schlechten Nachrichten für die Cannabisbranche?

Das besorgniserregendste Ereignis für die Cannabisbranche im Jahr 2016 war zweifellos der Wahlerfolg des republikanischen Präsidentschaftskandidaten und Multimillionärs Donald Trump. Im Wahlkampf hatte es der gewählte Präsident vermieden, Cannabis zu sehr in den Fokus zu stellen, obwohl er Berichten zufolge gesagt hatte, er sei für medizinisches Cannabis und für das Recht eines jeden US-Bundesstaates, seine eigenen Gesetze zu erlassen.

 

Andererseits hat Trump auch erklärt, dass die legale Cannabisbranche in Colorado „ein echtes Problem“ sei.  Außerdem war der designierte Vizepräsident Mike Pence Gouverneur von Indiana, einem der cannabisfeindlichsten US-Staaten, und dieser hat öffentlich erklärt, er sei gegen eine Legalisierung. Und für das Amt des US-Justizministers, also des obersten Chefs der Strafverfolgungsbehörden des Landes, hat Trump Jeff Sessions ausgewählt, einen Abgeordneten, der für seine drogenfeindliche Haltung berüchtigt ist. So hatte Sessions im April 2016 geäußert, dass „gute Menschen kein Cannabis rauchen”; und in den 1980er Jahren sagte er in Alabama, er habe den Ku-Klux-Klan „okay gefunden, bis ich herausfand, dass man dort Gras raucht.”

 

Jeff Sessions, der von Trump zum US-Justizminister nominiert wurde (© Gage Skidmore)
Jeff Sessions, der von Trump zum US-Justizminister nominiert wurde (© Gage Skidmore)

All das zeigt, dass 2016 überall auf der Welt ein richtungweisendes Jahr für Cannabis war. Die jüngsten Fortschritte der weltweiten Cannabis-Community, die sich aus Patienten, Freizeitkonsumenten, Produzenten, Wissenschaftlern und Lehrern zusammensetzt, waren schlichtweg spektakulär. Trotz mancher Rückschläge und einiger beunruhigender Anzeichen für die Zukunft ist der Trend insgesamt positiver als je zuvor. Aller Voraussicht nach wird 2017 zu einem der wichtigsten Jahre für Cannabis in der gesamten Geschichte werden.

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Thomas Kogler

Ich finde es einfach KRANK wenn ich mir überlege, ich könnte zum Arzt gehn und mir die heftigsten Benzodiazepine verschreiben lassen. Ich bräuchte auch nur einfach Opiatpositiv zum Arzt gehn und könnte mich auf Morphium einstellen lassen! Beides macht in kürzester Zeit so abhängig, daß man zu kämpfen hat, je wieder davon los zu kommen!

Aber ich darf NICHT diese Pflanze verwenden???

21/02/2017

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Hoppla, sieht so aus als hätten Sie etwas vergessen.
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